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Schlüter Cheyenne

1982 oder 1983: Anja studiert in Köln und ich besuche sie regelmäßig. Auf dem Weg zu ihrer Bibliothek komme ich immer wieder an einem kleinen Modellbauladen vorbei. Und dort steht ganz vorne im Schaufenster der Bausatz eines einzigartigen Modellhubschraubers: Die Schlüter Cheyenne. Wie immer natürlich viel zu teuer für einen Studenten wie mich. Aber trotzdem fängt man automatisch an, die Kosten zu kalkulieren. Man könnte ja erst mal nur die Mechanik kaufen, und die weiteren Komponenten später, wenn dann mal wieder Geld auf dem Konto ist. Oder aber nur den Rumpf. Seuffzz. Es klappt einfach hinten und vorne nicht. Und so steht der Bausatz weiter im Schaufenster.

Als Ausgleich und zur kurzfristigen Befriedigung der Interessen habe ich mir dann die verschiedenen Kataloge von Dieter Schlüter geholt. Die Katalogkosten (4 DM) sind im Vergleich zum gesamten Bausatz vernachlässigbar. Im Katalog sind die verschiedenen Hubschrauber mit allen ihren Einzelteilen abgebildet. Damals wie heute waren die Schlüter-Hubschrauber eine Augenweide für jeden Maschinenbauer: Die Mechanik aus Stahl und Blech, die verschiedenen Einzelteile mit Inbusschrauben zusammengesetzt und über zig Stoppmuttern gesichert. Nur das Gebläsegehäuse ist schon aus Plastik.

18. April 2007

Und immer wieder Ebay...

April 2007: eine kleine unscheinbare Auktion im großen, weltweiten Ebay-Internetangebot zieht meine Aufmerksamkeit auf sich. Dort wird ohne Bild und ohne weitere Hervorhebung eine absolute Rarität angeboten: Ein "4-Blatt Cheyenne Hubschrauber mit Einziehfahrwerk". Ich wollte die Anzeige erst gar nicht anklicken, da in letzter Zeit sehr viel kleine Plastikbausätze auf Ebay angeboten werden, aber zur Sicherheit (man könnte ja etwas verpassen) klicke ich die Anzeige doch an und kann es gar nicht fassen. Hier bietet jemand den fertig zusammengebauten, aber nie geflogenen Cheyenne-Modellhubschrauber an - mit pneumatischem Einziehfahrwerk und auch noch dem damals nur optional erhältlichen 4-Blattkopf. Wow! Ich bin ziemlich sprachlos.

"Verkaufe einen gebrauchten aber nie geflogenen 4-Blatt Cheyenne Hubschrauber.

 

Er wurde ca. 1982 von meinem Vater gekauft und komplett zusammengebaut, aber niemals geflogen. Dieses Modell 80 hat eine Schlüter-Mechanik und der Heckrotor wird mit einer Welle angetrieben.

 

Es ist noch ein 10 ccm Webra 2-Takt Motor dabei, der damals eingebaut war aber mittlerweile in einem anderen Modell benötigt wurde. Dieser Motor funktioniert tadellos und wird bei dieser Auktion mit Reso-Rohr als gebraucht mitgegeben. "

Dieser Hubschrauber wurde damals offensichtlich nur in einer sehr kleinen Stückzahl verkauft - anders lässt es sich nicht erklären, dass der Hubschrauber nirgendwo mehr aufzutreiben ist. Die Original-Schlüter-Cobra wird gelegentlich auf Flohmärkten und auf Ebay angeboten, vom Graupner Bell 212 Twinjet tauchen immer wieder (schlecht erhaltene) Exemplare in Ebay auf, und von beiden gibt es mittlerweile Replika-Rümpfe zu kaufen. Aber von der Cheyenne existieren selbst im weltweiten Internet nur eine Handvoll Bilder.

Um zu vermeiden, dass jemand den Anbieter dieser Rarität heimlich zu einem Sofortkauf überredet, biete ich entgegen meinen üblichen Gepflogenheiten sofort das Mindestangebot und nachdem auch bis zum Ende der Auktion kein anderer geboten hat, kann ich schon wenige Tage später den Modellhubschrauber im Allgäu abholen.

Das Vorbild: Lockheed AH-56 Cheyenne

Der Cheyenne Kampfhubschrauber wurde Mitte der 60er Jahre als Antwort Lockheeds auf die Ausschreibung für das Advanced Aerial Fire Support System entwickelt.

Die Ausschreibung der US-Armee forderte einen Hubschrauber, der auch unter ungünstigen Wetterbedingungen bei Tag und Nacht fliegen konnte. Weiterhin sollte er zu Hochgeschwindigkeits-Sturzflügen fähig sein und aus diesen heraus das Ziel mit ungelenkten Raketen und der 30 mm-Bordkanone angreifen. Um die geforderten hohen Geschwindigkeiten zu erreichen, wurde der Cheyenne mit einem zusätzlichen Druckpropeller am Heck ausgerüstet, rechtwinklig zum Heckrotor. Zudem dienen die Stummel-Tragflächen nicht nur als Waffenträger, sondern tragen auch zum Auftrieb bei.

Die Besatzung bestand aus 2 Mann, Pilot und hinter ihm der Bordschütze, der die Waffen bediente. Als Besonderheit drehte sich der Sitz des Schützen mit dem unter dem Rumpf befindlichen Turm, so dass er immer in die gleiche Richtung wie die Bordkanone blickte.

Der Erstflug dieser Maschine fand als Lockheed AH-56A Cheyenne am 21. September 1967 statt. Meinungsverschiedenheiten zwischen der US-Armee und US-Luftwaffe, stark steigende Kosten aufgrund der Komplexität und die Bedrohung durch SA-7-Luftabwehrraketen, die genau in den Sturzflug des angreifenden Hubschraubers gefeuert werden konnten und ihn dadurch verwundbar machten, führten Anfang der 70er zum Ende des Projektes. Zwischenzeitlich hatte die US-Armee bereits eine Anzahl AH-1 Cobra nach Vietnam gebracht, was eine weitere Fortführung des Projekts überflüssig machte. Eine schon bestehende Bestellung über 375 Maschinen wurde storniert.

Die US-Armee veränderte ihre Anforderungen an einen Kampfhubschrauber, was zur Entwicklung des AH-64 Apache führte, die Luftwaffe führte eine eigenes Programm namens Attack Experimental weiter, dass später zur A-10 Thunderbolt II führte.

(Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung des Hubschraubermuseums Bückeburg)

01. Mai 2007

Oldie in sehr gutem Zustand

Der Oldie, den ich dann an einem Freitagabend abgeholt habe, ist in einem wirklich hervorragenden Zustand. Nachdem noch ein wenig Staub abgewischt wurde, der sich fast zwangsläufig über die 25 Jahre angesammelt hatte, in denen der Hubschrauber bei seinem Vorbesitzer stand, sieht man ein wirklich tolles Modell.

Der Hubschrauber war vor 25 Jahren komplett flugfertig, auch ein Motor mit Schalldämpfer war eingebaut worden. Dann traute sich der Besitzer nicht mehr, das schöne und einzigartige Modell in die Luft zu bringen. Das ist auch verständlich, denn der Besitzer konnte bisher nur Flugzeuge fliegen. Weiterhin erhielt ich einen Schlüterprospekt aus der damaligen Zeit, einen 10ccm Webra-Motor mit passendem Spezialschalldämpfer und einen "normalen" 2-Blatt-Paddelkopf von Schlüter.

Alle Teile lassen sich einwandfrei bewegen. Der Hauptrotor ist natürlich noch etwas stärker mit Staub bedeckt, und die Plastik-Kugelgelenkanlenkungen sollten besser sofort ausgetauscht werden, aber das sind Kleinigkeiten. Der 4-Blattkopf ist mittlerweile schon zerlegt und wartet im Ölbad auf die Reinigung. Auch die Druckluftverbindungen zu den beiden pneumatischen Einziehfahrwerken sind brüchig, aber auch das sollte kein großes Problem sein.

Bei den Rotorblättern aus Holz bin ich noch etwas skeptisch. Mit Sicherheit müssten diese noch einmal sorgfältig ausgewogen werden. Aufgrund des Alters befürchte ich aber, dass sie sich etwas verzogen haben. Weiterhin fällt auf, dass die Hauptrotorblätter sehr kurz sind. Ich befürchte, dass da sehr viel Arbeit auf den kleinen 10ccm Webramotor zukommen wird, wenn er dieses Modell tatsächlich in die Luft bringen soll.

Der Rumpf ist damals sehr sauber verarbeitet und sorgfältig lackiert worden. Die Ausschnitte für die beiden Einziehfahrwerke könnten sauberer nicht sein. An der Nase ist die gelbe Farbe teilweise ein wenig abgeschabt, aber da sie vorsteht, hat sie in den vielen Jahren wohl auch das meiste abbekommen. Die Haube über der Pilotenkanzel passt ganz genau in den Rumpf und die Arretierung ist hervorragend.

Wenn man den Hauptrotor abmontiert, kann man danach das Oberteil des Rumpfes abnehmen. Auch dieses Oberteil passt ganz genau; nur von den kleinen Schrauben, mit denen dieser Teil befestigt wird, fehlen drei oder vier. Jetzt hat man freien Zugang zur Hubschraubermechanik. Die Mechanik ist sehr flach gebaut, und sogar die Taumelscheibe verschwindet noch im GFK-Rumpf, was einen großen Teil des vorbildgetreuen Aussehens ausmacht.

25. April 2009

Das große Zerlegen

Mittlerweile ist mal wieder viel Zeit vergangen und ich bin durch den Hausbau und Umzug nicht dazu gekommen, irgendetwas an irgendeinem meiner vielen Hubschrauber zu machen. Nachdem ich meine Werkstatt aber mittlerweile sehr gut eingerichtet habe, fand ich doch, dass es jetzt Zeit ist, dass ich mich an die Restaurierung der Schlüter Cheyenne mache.

Hier sind ein paar Bilder, die die Zerlegung des Hubschraubers in die verschiedenen Einzelteile zeigt. Ich habe diese Bilder auch für meine eigene Dokumentation gemacht, damit ich später irgendwann weiß, wie die vielen Teile alle zusammen gehören.

In der Zwischenzeit habe ich mich auch ausführlich mit dem Motor befasst. Dieser scheint noch ganz gut in Schuss zu sein. Nur mit dem Vergaser habe ich ein Problem. Mittlerweile habe ich mir drei weitere Vergaser dieses Types gekauft - bei allen funktionierte irgendeine Kleinigkeit nicht. Jetzt habe ich den Vergaser wieder halbwegs funktionsfähig zusammen, aber auf meinem Prüfstand läuft der Motor noch nicht zu meiner Zufriedenheit. Irgendwo zieht der Vergaser immer noch Luft, sodass die Einstellung über die diversen Nadeln nicht sauber funktioniert. Hier ist also noch weitere Arbeit angesagt.

Weitere Ergebnisse der Zerlegung:

  • Die beiden Fahrwerke waren schnell wieder funktionsfähig, sie lassen sich zumindest relativ leichtgängig ein- und ausfahren. Ob die Gummis in den Zylindern die Pressluft lange halten werden, darüber kann ich noch keine Aussagen machen. Wenn das nicht funktionieren sollte, dann habe ich ein größeres Problem.
  • Die verschiedenen Kugellager machen auch noch einen ordentlichen Eindruck. Mal sehen, wie es nach Reinigung und mit neuem Fett aussieht
  • Einen Großteil der Schrauben und vor allem Stoppmuttern werde ich wohl sicherheitshalber ersetzen
  • Der Tank sieht auch ok aus; natürlich sind alle Schläuche ziemlich brüchig und beim Ausbau meistens einfach abgebrochen. Also: alles ersetzen. Genauso die Hydraulikleitungen. Auch hier habe ich mir bereits Ersatz besorgt.