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06. Februar 2011

Eine 15m Regenbogenkrake

Schon ganz früh war ich immer von den Erfindungen und Kreationen von Peter Lynn begeistert. Ich habe verschiedene seiner Drachen nachgebaut (Krake, Manta, Centipede oder auch Pelybox). Diese waren aber doch noch vergleichsweise klein im Vergleich mit den Originalen. Mit meinem Bauplan lässt sich eine 8m lange Krake bauen (von denen ich ja dann auch zwei bei mir im Drachensack mitschleppe). Aber schon damals geisterte irgendwo ein anderer Bauplan für einen wesentlich größere Krake herum - aber ich konnte ihn nie auftreiben.

Mittlerweile ist es August 2007. Ich sitze mal wieder in einem wunderschönen Ferienhaus (mit Internetanschluß) auf Fanø und stöbere im Internet, als ich plötzlich in einem Drachenforum von einem Plan für einen 15m großen Octopus lese. Das muss genau der Plan sein, von dem ich früher schon gehört hatte. Einige E-mails später habe ich den Plan bei mir in der Yahoo Inbox. Tatsächlich, ein toller Plan, sehr ausführlich, alle Abmessungen und Einzelschritte beschrieben. Hier auf Fanø habe ich natürlich nicht einfach mal so 80m Drachenstoff herumliegen, also kann ich im Moment nichts damit machen.

Und wieder vergehen 3 Jahre. Irgendwie bekomme ich wieder Lust, Drachen zu bauen, und genau - da war doch etwas. Die große Krake. Dank meiner Yahoo-mailbox muss ich mir ja nichts selber zuhause auf dem Computer archivieren - Yahoo erledigt das für mich. Da ist der Plan, zumindest sauber im Ordner Drachen abgelegt (später finde ich in meinen Drachenunterlagen dann noch zwei weitere Ausdrucke...). Bevor ich mich aber an die Arbeit mache, will ich erst einmal im Internet nach schönen Vorlagen oder Farbmustern schauen. Die riesige schwarze Krake des früheren Drachenshopbesitzers aus Wörth macht schon tollen Eindruck, aber die habe ich mittlerweile auch schon öfters gesehen. Gibt es vielleicht andere schöne Farbkombinationen?

Auf der Suche nach den Farben

Im Internet stoße ich dann auf Fotos von Drachenfesten in Amerika, bei denen der amerikanische Exporteur von Peter Lynn, David Gomberg, teilweise bis zu 15, einmal sogar 21 der riesigen 27m langen Kraken nebeneinander hat fliegen lassen. Und auf einem der Fotos entdecke ich dann eine Farbkombination, die ich so noch nie gesehen habe und mich sofort begeistert: Eine Regenbogenkrake.

(Und im Internet findet man ja alle Informationen, wenn man nur lange genug sucht...) Dies ist also keine Krake von der Stange, sondern wurde nur auf speziellen Wunsch eines Kunden in Peter Lynns Fabrik genäht. Damit sind die Chancen sehr gut, dass ich diese Krake höchstwahrscheinlich nie irgendwo anders auf einem Drachenfest entdecke. Die Farben sind einfach ganz toll zusammengestellt. Ein roter Kopf mit weißen Augen und schwarzen Pupillen, und dann die Tentakeln in sechs verschiedenen Farben von rot, orange, gelb, hellblau, dunkelblau, violett.

Genau diese Farbkombination will ich auch für meine Krake!

Der Bauplan sieht außerdem vor, dass man die Tentakeln nicht alle acht nebeneinander in einer Reihe, sondern auch in zwei Viererreihen an den Kopf annäht. Das sieht meiner Meinung nach besser aus. Und so wird also der Stoff bestellt und bei Chill-Out in Augsburg abgeholt. Da das mal wieder ein großer Drachen wird, habe ich gleichzeitig Stoff für einen großen Sack gekauft.

Den Drachen will ich aber nicht (und wegen der Arbeit in München kann ich das auch nicht) so nebenher nähen; also plane ich das mal als "kleines" Weihnachtsprojekt 2010/2011 ins Auge.

Dann bau ich mir 'ne Krake

Am 21. Dezember habe ich dann begonnen, die verschiedenen Streifen und Teile der Krake aufzuzeichnen und auszuschneiden. Für den Kopf habe ich mir eine Schablone aus Kartin angefertigt. Das hilft dann doch, die verschiedenen Maße auf Vorder- und Rückseite des Kopfes zu übertragen. Und obwohl unser Keller ja schon ganz groß ist, jetzt wird es plötzlich eng.

Urprünglich hatte ich vor, erst alle Teile auszuschneiden, damit ich auch rechtzeitig feststelle, wenn ich doch noch von einer Farbe mehr Stoff brauche. Aber da es doch so viele Teile sind und mir die Abmesserei auf die Nerven geht, fange ich dann doch zwischendurch schon an, einzelne Teile zusammenzunähen.

Das macht sich insbesondere beim Kopf bezahlt. Als ich mal wieder verschiedene Teile aus dem Keller, durch den Flur zum Nähen in die Küche schleppe und bei Julian damit vorbeikomme, meint der auf der Schaukel sitzend nur trocken: "Ach, schon wieder ein Deutschland-Drachen!". Hmm, Mist. Irgendwie lande ich bei meinen Drachen immer wieder bei den Farben rot-gelb-schwarz. Diesmal war es der Krakenkopf, der Julian zu dieser Assoziation brachte. Naja, wenn man es ganz aus der Ferne betrachtet, die Kopfform außer acht lässt und nur die Farben sieht, dann hat er ja vielleicht doch Recht.

Also bin ich gleich wieder in den Keller, das gelbe Teil wieder abgetrennt und dafür ein "neutrales" weißes Teil angenäht. Was allerdings auch bedeutet, dass mir der weiße Stoff ausgeht. Also direkt am 27. Dezember morgens in die Stadt und mit viel Glück bei Abt noch ein brauchbares Reststück von 4qm gefunden. Sehr gut - Fahrt nach Augsburg gespart (zumal Chill-Out ja auch Ferien hat)!

Die Tentakeln werden bei der Krake jeweils aus einer Außenseite und einer Innenseite mit den Saugnäpfen hergestellt. Da bei meiner Krake die Beine aus sechs verschiedenen Farben zusammengenäht werden, kann ich die Teile dafür bei uns im Keller ausschneiden. Das macht es etwas einfacher, erhöht aber gleichzeitig die Anzahl der Teile um das fünffache. Irgendwann spät abends in der Nacht habe ich mich dann daran erinnert, was so blöd und schmerzhaft an diesem Hobby ist: Das stundenlange Herumrutschen auf den Knien auf einem harten Parkettboden.

An Silvester ist die Krake dann schon mal relativ vollständig. Und als die Krake dann bei meinen Schwiegereltern im Keller auslege, fällt auch allen anderen auf, wie groß dieser Drachen mal wieder wird. Aus dem großen Gästezimmer, über den Vorratskeller, bis fast auf den Flur reichen die 15m vom Kopf bis zu den gelben Tentakeln. Wie gut, dass ich gleich den passenden Sack mitgenäht habe.

Im Neuen Jahr 2011 habe ich dann noch die Schnüre für die Waage abgemessen, abgeschnitten und dann verknotet. Alles perfekt in der Anleitung beschrieben, also: Großes Lob für denjenigen, der damals sich die Mühe gemacht und so einen tollen und ausführlichen Bauplan erstellt hat.

Und da ich schon mal dabei bin, habe ich noch einen entsprechenden Piranha-Windsack gebaut (den ich aber dann nur ein einziges Mal beim Jungfernstart an der Krake hatte, denn gebraucht wird er wirklich nicht).

Jungfernflug

Am 5. Februar ist es dann endlich soweit. Der letzte Schnee ist getaut, die Wiesen sind auch soweit abgetrocknet, dass man nicht sofort mit den Stiefeln absinkt. Also packe ich den großen Sack, Flugleine, Bodenanker, Hammer und meine Kamera auf geht es zum Modellflugplatz. Das ist ja das Gute am Drachenfliegen und Hubschrauber-Modellbau: Für die Hubschrauber ist es ideal, wenn man bei Nullwind oder nur wenig Wind fliegen kann - und die Drachen fliegen überhaupt erst ab einer bestimmten Windstärke.

Auf dem Flugplatz angekommen, stelle ich fest, dass der Platz nicht gerade ideal ist. Im Prinzip hat es genug Wind, aber durch den hohen Wald direkt hinter dem Platz befindet man sich in einem turbulenten Bereich.

Aber dennoch: Bodenanker in den Boden gerammt, Schnur ausgelegt, Krake mitsamt Piranha angeknotet, Lufteintrittsöffnung aufgehalten und die Krake füllt sich langsam mit Luft. Und dann.... genial... Die Farben sind einfach nur toll, ich bin total begeistert. Der Windsack wird überhaupt nicht benötigt und bis auf eine völlig falsch abgemessene Waageleine stimmt die Waage sofort. Ein toller Drachen!

Später am Nachmittag hat Anja mich dann glücklicherweise überredet, die Krake auch noch einmal auf den Feldern oberhalb unseres Hauses fliegen zu lassen. Dort sind dann die meisten Bilder vom 2. Jungfernflug entstanden. Und obwohl auch hier der Wind nicht ideal war, fliegt die Krake einfach toll. Ganz tolles Bild im Himmel, insbesondere bei etwas weniger Wind, wenn sich die Tentakeln langsam im Wind schlängeln, ganz so, als seien sie nicht in der Luft, sondern würden einer Wasserströmung folgen. Super!!!

Ohne Bodenanker sollte man die Krake aber nicht fliegen lassen. Die 70+ Meter Stoff machen sich dann doch durch einen ordentlichen Zug an der Leine bemerkbar.

Auf einem Bein steht man schlecht...

Vor kurzem habe ich meine Krake dem Inhaber von Chill-Out, dem Drachengeschäft in Augsburg gezeigt. Richard hat dann auch seine Krake aus dem Keller geholt. Und ich fand die Farben, die er gewählt hatte, ganz toll: Eine giftgrüne Krake mit gelben Saugnäpfen. Hmm, so eine Krake möchte ich auch haben! Aber ich werde sie farblich etwas anders machen. Richard hat bei seiner Krake die acht Beine alle in einer Reihe, ich finde die 2x4 Beine Anordnung immer noch besser.

Also: Stoff bestellt und losgelegt. Naja, es hat doch etwas länger gedauert, aber bis zum Fanö-Urlaub war die zweite Krake dann auch fertig. Dunkelgrüner Kopf und Beine, die Innenseiten der Beine hell-neongrün, gelbe Saugnäpfe und am Ende der Tentakeln sind noch rote Vierecke aufgenäht.

Gleich am ersten Tag auf Fanö gab es den Jungfernflug und zwar direkt neben meiner Regenbogenkrake. Jetzt in der Luft bin ich leider etwas enttäuscht von den Farben. Die Farben sind doch nicht so kräftig, wie ich das gehofft hatte. Schade. Ich muss auch dringend noch etwas an der Waage ändern - im Moment fliegt die grüne Krake sehr unruhig und ich musste sie letztendlich einfach in die Leine meines Parasled binden, damit sie anständig in der Luft bleibt.

Vor dem Jungfernflug habe ich zu Hause im Garten zum ersten Mal einen Aufblastest gemacht... :-)) Also den gesamten Drachen in den Garten geschafft, langes Elektrokabel verlegt, den größten und leistungsstärksten Fön aus dem Haus geholt, die Tentakeln am Ende zugeknotet, die Lufteinlaßöffnung am Kopf zusammengeschoben, sodass nur noch ein kleines Loch für den Fön offenbleibt und dann aufblasen. Und warten, und warten und warten.

Nach einiger Zeit ist der Kopf einigermassen gefüllt, jetzt ploppen die Beine nach und nach auseinander, und am Ende reicht die Krake quer über den gesamten Garten. Cooool!