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07. Dezember 2015

Geschäftsreise nach Indien

Seit einiger Zeit arbeite ich in einem neuen Softwareentwicklungsprojekt. Die Software wird bei einer indischen Firma entwickelt und dann in Deutschland mit vielen anderen Modulen zu einem Infotainmentsystem zusammengesetzt. Vor knapp zehn Jahren habe ich schon einmal mit einer indischen Firma zusammengearbeitet, aber trotz eines 5-Jahres Visa hat es nie mit einer Dienstreise geklappt.

Diesmal sieht es besser aus. Seit einiger Zeit haben wir eine kurze Dienstreise nach Pune geplant, Visa beantragt, Flüge und Hotel gebucht. Neben den rein technischen Details versuche ich mich auf das Land und die Kultur vorzubereiten.

Dazu gehört, dass ich ein paar wenige Brocken in Hindi gelernt habe, und bei der Beschäftigung mit dem Land bin ich auf die Idee gekommen, die Fahne Indiens als Banner zu nähen.

In den vergangenen Jahren habe ich immer mal wieder Banner und Flaggen genäht. Irgendwo habe ich eine 3m und eine 5m Version, aber in der Regel sind die Fahnen für eine 4m Angelrute ausgelegt. Am Anfang war die Vorderseite immer ganz gerade, aber da sich die Fahnen im Wind von Fanø doch schnell biegen, bin ich dazu übergegangen, die Vorderseite schon von vorneherein mit einer starken Krümmung im oberen Bereich zu versehen.

So sind mit der Zeit neben den verschiedenen Motivbannern auch eine deutsche und amerikanische Fahne hinzugekommen. Dann passt die indische Fahne mit Sicherheit auch in diese Sammlung.

Also schnell gegoogelt und die Beschreibung in Wikipedia fängt ganz harmlos an. Die indische Nationalfahne besteht aus drei horizontalen Streifen gleicher Breite, oben safranfarben, in der Mitte weiß und unten grün. Das Rot stand ursprünglich für den Hinduismus, das Grün für den Islam und das Weiß für andere Minderheitsreligionen. Jedoch dachten manche auch, dass das Weiß wie ein Friedenspuffer zwischen den beiden Religionen steht, wie z. B. in der Flagge Irlands. Diese diente wahrscheinlich als Vorbild, da auch Irland um die Unabhängigkeit vom Britischen Weltreich kämpfte.

Auf den Bildern erkennt man dann noch zwei konzentrische dunkelblaue Kreise in der Mitte des weißen Streifens. Naja, sollte doch einfach zu machen sein, oder? Wikipedia erklärt auch, wie man die drei Farben der Fahne vertikal anordnen muss.

Für den weiteren Entwurf der Powerpoint gestartet und den ersten Entwurf gemacht. Ich wollte schon seit längerem ein Patchworkbanner herstellen. Also die gesamte Fahne in einzelne horizontale Streifen aufgeteilt, ein Streifen wird auf der Seite ein Quadrat herausstehen. Im Vergleich mit der Originalfahne sieht das doch ganz gut aus.

So, und was hat es mit diesen beiden Kreisen auf sich?

In Wikipedia lese ich dazu: Im Zentrum der indischen Fahne ist ein Charkha (in dt.: Spinnrad) in blau abgebildet, das Symbol des Strebens nach wirtschaftlicher und später auch politischer Unabhängigkeit. 

In der 1947, kurz vor der Erlangung der vollständigen Unabhängigkeit von Großbritannien, von der verfassunggebenden Versammlung angenommenen Flagge Indiens wurde das Spinnrad durch ein Rad, das Dharmachakra (Rad des Gesetzes), ersetzt. Während das buddhistische Dharmachakra acht Speichen aufweist, hat das Rad der Flagge 24 Speichen, welche die Stunden des Tages symbolisiert.

24 Speichen?!?!? Wie soll man denn so etwas nähen? Und noch dazu ist das Chakra insgesamt relativ klein, was das Nähen noch schwieriger macht. Aber ich lese in Wikipedia und an anderen Stellen, dass jede Speiche eine Bedeutung hat. Ach herrje.

Also, dann mal den guten alten Zirkel aus der Schule rauskramen und Kreise zeichnen. Ich entschließe mich dazu, die Fahne in der Mitte noch etwas zu verlängern, und das Chakra etwas größer zu machen. Glücklicherweise habe ich in der Schule ja ausserdem gelernt, wie man einen Radius mit dem Zirkel narrensicher in sechs gleiche Teile aufteilt, dann diese sechs Stücke jeweils, auch mit dem Zirkel, in vier weiter Teile aufteilen und - schwupps - ergibt 24 Teile auf dem Radius.

Dazu einen inneren Kreis, sowie (leicht angedeutet), ab welcher Stelle sich die Speichen wieder verjüngen und wo sie enden. Und dann noch die kleinen Halbkreise auf der Innenseite des Außenkreises. Ich zeichne sechs Speichen mit dickem 2B-Bleistift vor und übertrage dann diesen Viertelkreis nach und nach auf den weißen Drachenstoff. Sieht ganz gut aus, aber sieht auch nach viel Nähen und Ausschneiden aus.

Das Chakra habe ich, wie so häufig bei meinen Drachen, mit der Applikationstechnik genäht. Dabei werden zwei Lagen Drachenstoff aufeinandergelegt, dann mit UHU an einigen wenigen Stellen fixiert und anschließend mit einem 2mm Zickzack-Stich zusammengenäht. Danach kann man den UHU wieder abwaschen und die weiteren Details nähen. Nachdem die Umrisse der eigentlichen Grafik mit vielen weiteren Zickzackstichen nachgebildet wurden, kann man die überflüssigen Stoffteile vorsichtig mit einer kleinen und spitzen Schere ausschneiden.

Beim Chakra der indischen Fahne sind die Speichen das Problem. Sie sind so spitz, dass ich mich entschließe, das Innere der Speichen nicht auszuschneiden. Diese Vorgehensweise funktioniert nur in diesem Fall, da ich blauen und weißen Stoff zusammennähe und man aus einiger Entfernung später (hoffentlich) nicht erkennen wird, dass der weiße Stoff an einigen Stellen nicht weggeschnitten wurde. Aus diesem Grund habe ich die Speichen mit einem graden Stich genäht.

Weiteres Kopfzerbrechen bereiten die kleinen, knapp fingernagelgroßen Halbkreise auf der Innenseite des Außenkreises. Nach einigen Versuchen klappt das Vernähen aber auch hier relativ gut, nachdem ich den doppelten Stofftransport der PFAFF-Nähmaschine ausgeschaltet habe. Hmm, diese computergesteuerten Nähmaschinen, die sogar den eigenen Namen nähen können, hätten das bestimmt besser gemacht - aber so hat die Fahne noch etwas Persönliches.

Nach den ersten Speichen und kleinen Halbkreisen habe ich testweise die ersten Stoffstückeausgeschnitten - und es sieht gut aus.

Da ich das Chakra auf einem großen, weißen Stück aufgenäht habe, muss ich es jetzt noch auf der indischen Fahne aufnähen. Da die Patchworkfahne durch die vielen Nähten nicht mehr so glatt ist, hefte ich das Speichenrad erstmal mit wenigen Nadeln auf die Fahne. Das Folgende ist eigentlich "business as usual": Den Rand sorgfältig mit einem Zickzackstich festnähen, dann den überschüssigen weißen Stoff und danach das "Loch" in der Fahne ausschneiden. Fertig!

Das orangene Tuch ist etwas zu rot, aber im Tageslicht sieht die Fahne ganz gut aus. Jetzt muss ich mich nur noch entscheiden, ob ich die Fahne und vielleicht auch die passende Angelrute mit nach Pune nehme.

Aber ansonsten sind die Vorbereitungen für die erste Reise in ein tolles, faszinierendes Land jetzt abgeschlossen.