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28. April 2006

Windbogen-Drachen

Wie ihr mit Sicherheit wisst, haben wir mehrere Jahre lang regelmässig das International Kitefestival in Fanø besucht, das jedes Jahr im Juni stattfindet.

Ich hatte den Windbogen Drachen schon mehrmals in verschiedenen Drachenzeitschriften gesehen und ich konnte mich erinnern, dass George Peters einmal einen Bauplan in der Zeitschrift Kitelines veröffentlicht hatte. Aber erst bei dem Fanø-Festival im Jahr 1996, als wir Bob und Charmayne aus Amerika trafen, habe ich solch einen Windbogen fliegen sehen. Und das war wirklich beeindruckend. An einem an und für sich recht windigen Tag begannen Bob und Sam, den Windbogen auszupacken und fliegen zu lassen. Und schon nach kurzer Zeit flog der Windbogen und spannte sich über dem Strand von Rindby auf.

Dieser Drachen war das Ergebnis eines gemeinsamen Projektes der Kitemakers Conference in Fort Worden in Amerika. Jeder Teilnehmer der Konferenz, der nach genauen Vorgaben ein Panel des Windbogens angefertigt hat und dann zur Konferenz mitbrachte, bekam einen speziellen Windbow-Pin als Dankeschön. Dieser Windbogen hat für eine Menge Aufmerksamkeit am Strand von Fanø gesorgt. Leider war der Wind an diesem Tag so stark, dass der Windbogen nach einiger Zeit in der Mitte gerissen ist.

Als ich dann wieder zuhause war, dachte ich mir: "Das ist wirklich ein toller und beeindruckender Drache, aber für eine einzelne Person ist das einfach zuviel Arbeit!". Naja, bekanntermaßen habe ich das auch damals gesagt, als ich zum ersten Mal den Bauplan der Superfliege gesehen habe. So wird es niemanden sonderlich verwundern, dass ich mich im November 1996 entschlossen habe, doch dieses Projekt in Angriff zu nehmen und einen Windbogen für das nächste Kitefestival auf Fanø im Juni 1997 zu nähen.

Irgendwo tief in meinem Archiv habe ich dann den Bauplan von George Peters gefunden, und nach einem flüchtigen Blick auf die Zeichnungen und den englischen Text hatte ich den Eindruck, alles verstanden zu haben. Die Bauanleitung schien nicht sonderlich schwierig zu sein, einfach nur jede Menge "Ausschneiden und Zusammennähen!". Die weitere Zeit verging wie im Fluge und irgendwann im März 1997 saß ich mal wieder an der Nähmaschine und versuchte den Windbogen zu erstellen. Dabei stellte ich dann fest, dass ein paar kleine, aber wichtige Aspekte eben doch nicht so klar dargestellt waren. Weiterhin kam noch dazu, dass ich auch noch andere Projekte für Fanø vorbereiten wollte: eine Drachenfähre, einen George-Peters-Seabird, Fallschirme und ein paar andere Kleinigkeiten.

Durch die Diskussion mit anderen Drachenbauer in der Newsgruppe rec.kites und durch einige e-mails, die ich ausgetauscht habe, war ich dann letztendlich doch noch in der Lage, alle notwendigen Details herauszufinden, um den Drachen erfolgreich zu bauen. 

Als es dann soweit war, alle Koffer, Sachen und Drachen für die Abfahrt nach Fanø zu packen, war ich - wie erwartet und auch von Andrew Beattie prognostiziert - dann doch noch nicht mit dem Drachen fertig. In einer gemeinsamen Anstrengung von Myriam, Petra, Patrick und Sven (die uns zeitweise in unserem Ferienhaus besuchten) wurde der Drachen dann doch noch am regnerischen Samstagmorgen und -nachmittag fertig. Der Windbogen besteht jetzt aus insgesamt 51 Panels (40 normale mit der von George Peters vorgeschlagenen Farbgebung und 9 spezielle mit Buchstaben), ist 70cm breit und ca. 45m lang!

Nachdem es aufgehört hatte zu regnen, haben wir uns dann entschieden an den Strand zu fahren und einen Probeflug zu wagen. Den Wind schätzte ich auf zwei bis drei Beaufort Stärke, und durch den vorangegangenen Regen war der Strand wie leergefegt. Also eigentlich ideale Voraussetzungen. Aufgrund der Erfahrungen aus dem letzten Jahr mit dem Fort-Worden-Windbogen war ich erst noch etwas skeptisch, ob denn der Wind ausreichen würde. Durch die zahlreichen Verstärkungen ist der Windbogen letztendlich doch recht schwer geworden.

Jungfernflug

Da ich im vergangenen Jahr den Start des Windbogens gesehen hatte, dachte ich, dass es eine gute Idee wäre, genauso vorzugehen. Also gab ich Patrick das eine Ende des Windbogens und wollte dann langsam die weiteren Panels eines nach dem anderen loslassen und so den Windbogen immer größer werden lassen.

Vermutlich hätte dieses Vorgehen mit anderen, kleineren Windbögen und bei schwächerem Wind geklappt. Letztendlich lag ich aber am Strand mit meinem Körper auf dem Stapel der noch nicht fliegenden Panels um irgendwie zu verhindern, dass alle Panels auf einmal los fliegen. Irgendwie haben Patrick und ich es dann doch geschafft, den gesamten Windbogen fliegen zu lassen. Das ganze war recht spektakulär, denn der Windbogen wölbte sich fast senkrecht über uns in der Luft und der Zug auf die Endstücke war wirklich enorm.  Und obwohl uns Myriam und Anja halfen, konnten wir die Endstücke kaum noch halten.

Wir versuchten uns trotz des gigantischen Zugs an den Endstücken des Windbogens langsam zum Auto zu bewegen und den Windbogen dort zu befestigen. Das gelang uns dann auch und Patrick versuchte dann auch das andere Ende am Auto zu befestigen. Bevor wir damit aber Erfolg hatten, riss die Leine, mit der wir den Windbogen festhielten. Wir hatten für diesen Fall eigentlich dann etwas ganz anderes erwartet, aber der Windbogen wehte einfach nur in Windrichtung aus und sank langsam zu Boden. Später haben wir dann festgestellt, dass diese Methode eigentlich der sicherste Weg ist, den Windbogen auch regulär zu landen. Dazu muss in dieser Richtung natürlich genügend freier Raum sei, was bei Drachenfesten nicht immer grundsätzlich der Fall ist.

Während der Windbogen noch flog hatte ich schon krampfhaft versucht mir vorzustellen, wie ich den Windbogen denn überhaupt wieder runter bekommen würde. Die Methode, ein Panel herunter zu ziehen, dann das nächste Panel zu nehmen und so weiter, hätte mit Sicherheit nicht funktioniert.

Der Schaden an dem Drachen war glücklicherweise sehr gering und nach einer spät-abendlichen Nähaktion war wieder alles repariert. Am direkt folgenden Tag war dann der Wind schon von vorneherein zu stark und wir haben lieber andere Drachen fliegen lassen.

Start des Windbogens - neuer Versuch

Einige Tage später traf ich dann einen weiteren Drachenflieger mit einem Windbogen am Strand. Er hatte, inspiriert von "einigen Amerikanern mit einem großen Windbogen", die er 1996 auf Fanø gesehen hatte, selber einen Windbogen entworfen und gebaut. Dieser Mann hatte als offensichtlich Bob und Sam mit dem Fort Worden Kitebow gesehen! Dieser Drachenbauer hatte seinen deutlich kleineren Windbogen schon oft fliegen lassen und konnte mir ein paar wichtige Hinweise zum Umgang mit diesem Drachen geben:

  • Starten des Windbogens
    Erst den Windbogens genau in Windrichtung auf dem Boden auslegen. Wenn beide Enden des Windbows festgehalten werden, dann das Ende, welches weiter vom Wind entfernt ist anheben und langsam einen Viertelkreis gegen den Wind gehen. Wenn der Windbogen genau senkrecht zur Windrichtung ausgerichtet ist, fliegt der Windbogen wunderbar in der Luft. Weitere Empfehlung: Am besten ist es, wenn man den Windbogen nicht fest am Boden fixiert; oder aber nur ein Ende. Für den Fall, dass irgendetwas schief geht, kann man ein freies Ende immer noch ganz einfach loslassen, ohne dass etwas passiert.
  • Landen
    Erst genau kontrollieren, dass keine Personen auf der windabgewandten Seite des Windbogens steht; dann einfach ein Ende des Windbogens loslassen. Der Windbogen wird langsam in Windrichtung auswehen und dann langsam zu Boden sinken. Wenn der Drachen dann am Boden liegt, muss man den Bogen sehr schnell festhalten und danach auch zügig einsammeln, da er sich sonst verdreht und kaputt gehen könnte.

 

Nachdem ich mich an diese Regeln gehalten habe, haben wir den Windbogen dann an noch zwei weiteren Tagen fliegen lassen. Am Sonntagnachmittag konnten wir den Bogen nur für etwa zehn Minuten halten, danach waren unsere Kräfte am Ende. Am Montag flog der Windbow bei sehr schönem Wetter und konstantem Wind mehr als zwei Stunden lang.

Nach einer Umbauaktion habe ich jetzt jeweils einen großen Metallring an beiden Enden des Windbogens festgenäht. Daher kann ich entweder eine Leine an diesem Ring befestigen, und mit der Leine dann Bogen an einem Bodenanker oder am Abschlepphaken des Autos. Oder ich befestige einen breiten Holzstiel an dem Ring. Dadurch kann man dann den Drachen mit den Händen festhalten und durch Variieren des Anstellwinkels mit dem Wind spielen.

Leider hatte ich direkt auf Fanø dann noch einen weiteren Schaden am Drachen. An der Stelle, an der ich den dicken Ring befestigt hatte, war das Gewebe doch noch unzureichend verstärkt und brach. Da der Windbogen in diesem Augenblick unter starker Spannung stand, flog der Rest des Windbogens zwar mit dem Wind weg und dann auf den Strand; dafür schnalzte das andere freie Ende zurück und beschädigte den Frontscheinwerfer unseres schönen VW-Busses.

So habe ich diesen Teil nach der Rückkehr also noch mehr verstärkt und zusätzlich weitere Leinen am Endstück angenäht. Ursprünglich hatte ich gemäß Bauplan nur eine Leine bei etwa 1/5 der Breite des Panels von der Leitkante entfernt angenäht. Jetzt habe ich direkt an der Leitkante, bei 1/5 der Breite und bei 2/5 der Breite insgesamt drei Leinen angenäht, die ich dann an einem Ring zusammenfasse. Seitdem ich diese Konstruktion habe, hatte ich danach keinen Schaden mehr an dem schönen Windbogen.

Dank an alle Beteiligten

Wie bei so vielen anderen Projekten, war ich auch bei diesem Drachen auf die Hilfe anderer Personen angewiesen, ohne die ich das Projekt nicht erfolgreich hätte abschließen können. Daher möchte ich mich bei diesen recht herzlich bedanken:

  • Newsgruppe rec.kites: Kathy Goodwind, Robin Levick, Tom Arbster, Barbara Meyer, Bo Svensson
  • Bodencrew: Myriam, Petra, Patrick und Sven
  • Anja